Abnehmen mit Backpulver: Fake oder Fakt?

Das Abnehmen ist ein Thema, das wohl fast jeden Menschen einmal betrifft. Dabei geht es aber nicht immer um eine beträchtliche Gewichtsreduktion wegen Übergewicht. Stattdessen fallen beim Blick in den Spiegel oft Körperzonen ins Auge, die unschöne Fettansätze zeigen. Die restliche Figur kann vollkommen in Ordnung sein – aber mit dem Bauch, den Schultern und dem oberen Rücken, den Armen oder den Oberschenkeln sind die wenigsten Menschen wirklich zufrieden.

Allerdings würde kaum ein Mensch von sich aus darauf kommen, ausgerechnet mit Backpulver Abhilfe schaffen zu wollen. Ob diese Haltung gerechtfertigt ist oder nicht, wollen wir hier untersuchen. Schauen wir uns also erst einmal die Eigenschaften von Backpulver an.

Was ist eigentlich Backpulver?

Backpulver
Bild: Depositphotos.com

Die Erfindung des bekanntesten Backtriebmittels geht auf einen Schüler von Justus Liebig zurück. Er hieß Eben Norton Horsford. Das von ihm aus saurem Kalziumphosphat und Natriumhydrogencarbonat hergestellte Backtriebmittel wurde erstmals in der Apotheke verkauft. Anno 1854 gründete Eben N. Horsford zusammen mit einem Mann namens G. F. Wilson eine Backpulver-Fabrik, die „Rumford Chemical Works“. Er nannte das Backpulver zunächst „Yeast Powder“, also übersetzt Hefepulver. Justus Liebig verbesserte das Backtriebmittel dann durch Zugabe von Kaliumchlorid. Das Patent darauf erwarb Eben Horsford unter der Produktbezeichnung „Baking Powder“. Die zunehmende Industrialisierung brachte die Backpulver-Nachfrage schnell in Gang. Versorgt wurden vornehmlich Brotfabriken.

Doch der eigentliche Backpulver-Boom begann erst mit August Oetker, der ab 1891 als Inhaber der „Aschoff’schen Apotheke“ in Bielefeld das Backpulver bedarfsgerecht portionierte. Er initiierte die Verwendung im Haushalt, statt nur in Großbäckereien. Ab 1893 füllte er sein „Backin“-Backpulver in kleine Briefchen und verkaufte es so in rauen Mengen. Oetkers 1903 patentiertes Herstellungsverfahren gilt bis heute. Das Geheimnis des Backpulvers ist es, dank des Einwirkens von Wasser und Wärme das gasförmige Kohlenstoffdioxid (CO2) freizusetzen. Das vergrößert das Teigvolumen und macht Teige lockerer.

Backpulver ist bis heute als Mischung aus einer CO2-Quelle wie Natriumhydrogencarbonat – bekannt als Natron – oder Kaliumhydrogencarbonat plus einem Säuerungsmittel. Dafür wird häufig Weinsäure, Dinatriumdihydrogendiphosphat oder Monocalciumorthophosphat eingesetzt. Außerdem enthält Backpulver ein sogenanntes Trennmittel, etwa Weißmehl, Weizen-, Mais-, Reis- oder Tapiokastärke. Das Trennmittel soll Feuchtigkeit binden. Dadurch kann es eine frühzeitige CO2-Entwicklung verhindern.

Es gibt heute auch phosphat- und aluminiumfreie Backpulver, die mit Säureträgern wie Weinsäure, Glucono-delta-lacton oder Calciumcitrat versetzt werden. Seltener wird Vanillin oder Ethyl-Vanillin als Aromatisierer zugesetzt. Backpulver für Lebkuchen sind etwas anders zusammengesetzt. Sie enthalten meist Pottasche oder Hirschhornsalz. Das alles klingt nicht nach einem effektiven Abnehm-Helfer – und doch ist Backpulver für manchen Verwender einer. Ob’s stimmt, klären wir jetzt.

Abnehmen mit Backpulver: Fake oder Fakt?

Um es gleich vorwegzunehmen: Backpulver ist kein sehr geeignetes Mittel zum Abnehmen. Aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung schafft es eher Probleme, als welche zu beseitigen. Nun findet sich im Handel aber Backpulver mit sehr unterschiedlichen chemischen Rezepturen, wie oben angedeutet. Die säurehaltigen Backtriebmittel in größeren Mengen verzehren zu wollen, ist nicht sehr förderlich. Reines Natron hingegen, das ebenfalls als Backtriebmittel eingesetzt werden könnte, ist gesundheitsverträglicher. Über den Geschmack dieses Diätmittels lässt sich aber streiten.

Natron sollte schon wegen des Geschmacks nur in Wasser aufgelöst getrunken werden. Natron ist ein starker Säurebinder. Kaiser Natron war schon zu Großmutters Zeiten ein beliebtes Mittelchen gegen Sodbrennen und saures Aufstoßen. Viele Verwender nutzen Natron auch bei Muskelkater oder Akne, als Bleichmittel beim Zähneputzen oder gegen Gelenkschmerzen. Dank seiner bakterienhemmenden Eigenschaft kann mit Natron gegurgelt werden, wenn Erkältungen drohen. Gelegentlich preisen einige Menschen eine Mischung aus Zitrone und Backpulver als effektives Abnehm-Mittel. Da der Wortlaut entsprechender Meldungen sich auffallend ähnelt, hat vermutlich einer vom anderen abgeschrieben. Inhaltlich überprüft wurden diese Meldungen wohl alle nicht.

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Fakt ist: Backpulver oder Natron haben keine erkennbare Wirkung auf den Fettstoffwechsel. Sie kurbeln den Stoffwechsel nicht an, und es stellt sich nach dem Konsum auch kein Sättigungsgefühl ein. Auch wenn Backpulver oder Natron als vielseitige Haushaltswunder bekannt sind, können sie doch nicht alles leisten, was man sich so wünscht. Abnehmerfolge erbringen sie definitiv nicht.

Risiken von Backpulver- oder Natron-Konsum

Schwangeren oder stillenden Frauen sowie herzkranken Menschen sei gesagt, dass größere Mengen Natron oder Backpulver den Blutdruck erhöhen. Auch die Säurebindung ist nicht immer erwünscht, insbesondere bei Menschen, die ohnehin zu wenig Magensäure haben. Wer das Gerücht in die Welt gesetzt hat, man könne mit Backpulver Übergewicht reduzieren oder Speckpölsterchen an Armen und Beinen zu Leibe rücken, hat der Welt nichts Gutes getan. Wir haben es hier mit einem Pulver zu tun, das ein Triebmittel ist. Es kann dank dieser Eigenschaft hartnäckigen Schmutz entfernen oder mit Essig zusammen verstopfte Rohre reinigen. Klingt das nach einer Substanz, die Du als Diätmittel in Deinen Organismus füllen würdest? Erstens sind nicht alle Backpulver-Formen gleichermaßen bekömmlich. Und zweitens sind nur kleine Mengen Backpulver oder Natron ohne Beschwerden verdaulich.

Hin und wieder bei Sodbrennen einen Teelöffel reines Natron in Wasser zuzuführen, geht ja noch an. Besser wäre aber, durch eine geeignete Ernährungsweise gar nicht erst für Sodbrennen zu sorgen. Dasselbe gilt auch für Fettpölsterchen: Besser ist es, sie erst gar nicht entstehen lassen, als sie mit Natron oder Backpulver bekämpfen zu wollen. Erwiesen ist, dass Backpulver keinen Einfluss auf die Fettverbrennung oder den Stoffwechsel hat. Stattdessen bindet es Säure. Es verlangsamt die Verdauung dadurch sogar. Damit wirkten Natron und Backpulver geradezu kontraproduktiv auf einen erhofften Abnehmerfolg. Stattdessen riskiert jemand, der Natron oder Backpulver zuführt, um Gewicht zu verlieren, bei übermäßigem Konsum Durchfall, Erbrechen, erhöhten Blutdruck oder Muskelschwäche. Das schwächt den Organismus oder dehydriert ihn.

Wozu taugen Backpulver oder Natron denn nun?

Das bekannteste Backtriebmittel hat zahlreiche Eigenschaften, mit denen es auch in Bezug auf gesundheitliche Nutzungen punkten kann. Backpulver kann bei zahlreichen medizinischen Leiden tatsächlich eine Heilwirkung entfalten. Erfolgreich kann Backpulver beispielsweise bei akutem Sodbrennen, Durchfall, ja selbst bei Magengeschwüren eingesetzt werden. Auch bei Arthritis, Akne, Pruritus oder als vorbeugendes Mittel gegen einen grippalen Infekt kann es verwendet werden.

In den Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts behandelten sich Menschen mit Grippe mit Natron. Alle erlebten eine Besserung. Der Grund lag im Ausgleich des pH-Wertes durch das Natron. Ein übersäuerter Organismus ist deutlich krankheitsanfälliger. Natron wirkt alkalisch. Es kann daher eine Übersäuerung ausbalancieren. Osteoporose, Arthritis und Krebs beruhen häufig auf einer chronischen Übersäuerung durch eine falsche Ernährungsweise. Wer diese ändert, braucht kein Natron.

Dank seines hohen Natrium-Gehalts können Backpulver oder Natron eine Hyperkaliämie, eine Blasenentzündungen oder Nierensteine verhindern. Diese Effekte sind von Backpulver oder besser noch, reinem Natron, nachgewiesen und wissenschaftlich belegt. Oft verwechselt wird Natron bzw. Natriumhydrogenkarbonat mit Bikarbonat, Natriumbikarbonat oder Soda.

Backpulver gegen Säureprobleme wie Sodbrennen

Natron hat eine starke Säure bindende Wirkung. Daher kann es Säureüberschüsse im Magen oder ernährungsbedingte Säurestaus – zum Beispiel nach dem Genuss von Sauerkraut – effektiv beseitigen. Akutes Sodbrennen und Reflux-Erscheinungen können mit Natron behandelt werden. Dazu wird stilles Mineralwasser mit etwas Natron versetzt. Es sollte erst eine oder zwei Stunden nach der Mahlzeit konsumiert werden. Auch Beschwerden durch Magengeschwüre können so gelindert werden. Vor dem Essen sollte Magensäure nicht mit Natron gebunden werden. Sie wird für die Verdauung benötigt.

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Backpulver gegen Erkältung und Grippe

Natron gilt als Wundermittel gegen Grippe und grippale Infekte.Das Pulver kann als lauwarme Mischung aus Natron, etwas Meersalz und Wasser als Nasenspülung verwendet werden. Das befreit die Nase von Schleim und entlastet die verstopften Atemwege. Die Natron-Nasenspülung darf maximal dreimal an jedem Krankheitstag durchgeführt werden. Auch vorbeugend macht sie Sinn.

Backpulver gegen Akne

Akne auslösende Bakterien schätzen ein saures Hautmilieu, um zu gedeihen. Natron ist von Natur aus alkalisch. Es unterbindet daher das Wachstum von Bakterien auf der Haut. Der natürliche pH-Wert der Haut wird dadurch aber nicht gestört. Natron ist ein effektives Mittel gegen Akne. Seine milden entzündungshemmenden und antiseptischen Eigenschaften wirken gegen die lästigen Pickel. Natron kann bei Akne als Peeling oder in einer selbst hergestellten Gesichtsmaske eingesetzt werden. Es reinigt verstopfte Hautporen, transportiert beim Abwaschen abgestorbene Hautzellen ab und beseitigt Unreinheiten und ölige Sekrete wie überschüssigen Talg.

Natron und Backpulver sorgen für die Zähne

Wenn Natron als Zutat von Zahnpasten und Mundspülungen verwendet wird, kann es Plaque entfernen. Es wirkt außerdem effektiv gegen Karies verursachenden Bakterien. Eines der Karies-Bakterien ist das Streptococcus mutans. Natron macht dieses Bakterium unschädlich und schützt die Zähne so. Mit Backpulver hast Du außerdem ein natürliches Zahn-Bleichmittel zur Hand. Dafür musst Du einen Esslöffel Backpulver mit etwas Wasser und ein bisschen Meersalz mischen. Diese Mixtur kannst Du statt Deiner gewohnten Zahnpasta verwenden – aber bitte nur einmal täglich.

Backpulver verbessert die Mineralversorgung

Ohne Natrium geht im Organismus manches nicht. Das Kalium-Natrium-Gleichgewicht ist essenziell. Es sorgt für die ordnungsgemäße Funktion von Muskulatur und Nervenkostüm. Natron als Natriumquelle unterstützt die Blutdruckregulation. Es arbeitet geben einen erhöhten Kaliumspiegel an.

Backpulver verhindert Nierensteine

Saurer Urin macht die Nieren krankheitsanfälliger. Schwere Nierenerkrankungen oder Nierensteine können entstehen, wenn es zu einem ionischen Ungleichgewicht in den Nieren kommt. Kleine Nierensteine können mit dem Urin ausgeschieden werden. Große aber verursachen oft Koliken, weil sie nicht abgehen. Natron stellt das ionische Gleichgewicht wieder her. Dadurch wird die Nierensteinbildung unterlaufen. Klein gebliebene Nierensteine können besser ausgeschieden werden. Natron hilft außerdem bei Harnwegsinfektionen der Harnwege. Es senkt als alkalische Substanz den Säurespiegel im Urin.

Backpulver verhindert Mundgeruch

Mundgeruch wird durch schwefelhaltige Nahrungsmittel, oder durch eine ungenügende Zahnpflege ausgelöst. Auch Bakterien, die sich im Mundraum von Gebissträgern angesiedelt haben, können unangenehmen Mundgeruch verursachen. Natron wirkt alkalisch. Er neutralisiert den hohen Säuregehalt im Mund. Die Mund-Bakterien gedeihen bevorzugt dort, wo Säure und Saccharose anwesend sind. Nur ein Teelöffel Natron in Wasser gelöst kann durch das Gurgeln damit schlechten Atem bekämpfen. Das gilt auch nach dem Genuss von Zwiebeln oder Knoblauch.

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Letzte Aktualisierung am 11.05.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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